Start | Historie | Bilderserien | Neuigkeiten | Terminkalender | Links |Geographie | Wetter | Gästebuch | Information | Fremdenverkehr |Vereine |Service | Gewerbe | Impressum |


Hier finden Sie einen Überblick über die Ursprünge von Wasserlos als Weinbausiedlung und historisches Bildmaterial von Anno Dazumal. Diese gesamte Dokumentation stammt von Walter Scharwies, dem amtierenden Alzenauer Bürgermeister und Heimatkundler - ein herzliches Dankeschön gebührt ihm also für seine Erlaubnis, dies hier (gekürzt) zu veröffentlichen.

  •  Teil 1: Ehemaliges Gemeindewappen

Wenn wir zum Gang durch die Wasserloser Geschichte aufbrechen, sollten wir zuerst die Visitenkarte des "Ortes am fließenden Wasser" (wie Etymologen den Namen der Siedlung an dem einst offen fließenden Rückersbach deuten) zur Hand nehmen.
Das ehemalige Gemeindewappen zeigt im unteren Feld den Buchstaben A aus dem Hoheitszeichen des 1803 säkularisierten Klosters Seligenstadt. Die benediktinischen Ordensleute brachten nicht nur den Weinbau in die Gemarkung, sie waren auch über Jahrhunderte Gerichts_ und Steuerherren. Ein gesenkter Sparren (in der farblichen Darstellung blau) ist Synonym für die herrschaftlichen Familien, die seit dem
Mittelalter bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts das Leben in Wasserlos entscheidend mitbestimmten. Der Sparren ist ein Bild aus dem Wappen der Herren von Schelriß, deren Burg Anfang des 15. Jahrhunderts geschleift wurde. Doch bald fanden sich adelige Familien für zwei nachfolgende Hofgüter, die dann (mittlerweile vereinigt) ihren Mittelpunkt in dem Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Schloss, heute ältester Teil des Kreiskrankenhauses, besaßen.
Das W symbolisiert schlichtweg den Namen der heute nahezu 2.000 Seelen beherbergenden örtlichen Gemeinschaft; die Heraldik ging hierbei auf ein mehr als zwei Jahrhunderte altes Siegel des Dorfgerichtes zurück

  • Teil 2: Spuren aus keltischer Zeit

Teil II: Spuren aus keltischer Zeit
In schriftlich Erhaltenem lässt sich die Existenz der örtlichen Gemeinschaft Wasserlos nahezu 900 Jahre zurückverfolgen. Die Spuren menschlicher Besiedlung am Südwesthang des 437 Meter hohen Hahnenkamms sind jedoch wesentlich älter. Hierzu gehört der 343 Meter hoch gelegene Schanzenkopf mit seiner einst Schutz bietenden Viereckschanze; nahe des Unterwaldes, auf Hörsteiner Gemarkung unmittelbar zur Wasserloser Grenze, belegen jüngste Funde eine spätkeltische Friedhofsanlage (3. bis 1. Jahrhundert vor Christus)
In vielen Bereichen kann der Wasserloser Geschichte nachgegangen werden. Weit ins Maintal hinein prägt die 1920 fertiggestellte Kirche die Silhouette des Ortes. Vorgängerin des stolzen, in neubarockem Stil erbauten Gotteshauses war eine schlichte, zum Schlossgut gehörende Kapelle.

  • Teil 3: Die Schlosskapelle Sankt Katharina

Die der heiligen Katharina geweihte Schlosskapelle begegnet uns urkundlich im Jahre 1584. Die Gutsherren Johann Küchenmeisters Erben und Kaspar Stern treten hierin als Stifter und Pfleger auf, was bedeutet, dass die Baulast den jeweiligen Hofgutbesitzern oblag Das gottesdienstliche Recht stand der zehntpflichtigen Gemeinde zu.
 Die Schlossbesitzer, die die Funktion der Patronatsherrschaft einnahmen, gehörten nicht immer dem katholischen Glauben an. Aus Hochachtung vor der Religonszugehörigkeit ihrer Dienerschaft und der Ortsbevölkerung ließen sie dem Kirchlein, das an der heutigen Schlossbergstraße stand, nichts mangeln, stellt Karl Amberg in einer historischen Betrachtung der Kapelle fest. (Taufbucheintrag des Alzenauer Pfarrers Krick von 1772).
Schlicht und einfach war das Kirchlein von außen, so auch die Innenausstattung. Sie bestand aus dem Gestühl für etwa 80 Gläubige, einem kleinen Beichtstuhl, der Kommunionbank aus Holz, und einem geschmackvollen Barockaltärchen mit drehbarem Tabernakelschrein. Die Linien des Altärchens schwangen in fünf Konsolen aus, auf denen fünf schöne holzgeschnitzte Heiligenfiguren standen; als Mittelfigur die Mutter Gottes mit dem Jesukind auf dem Arm, rechts die unbefleckte Empfängnis, wie sie der Schlange den Kopf zertritt, und die hl.
Katharina mit dem Rad und Schwert, links der hl. Josef, das göttliche Kind auf dem Arm und der hl. Andreas mit dem Kreuz, dem Zeichen seines Martyriums. Auf zwei Holzsäulen zu beiden Seiten, das Chor flankierend, standen St. Barbara mit dem Kelch in der Hand und links die schmerzhafte Mutter, die Hände auf der Brust gefaltet; an den Seitenwänden neben einigen kleinen Figuren der hl. Antonius und der hl. Wendelin. Unmittelbar neben dem Seiteneingang vom Dorfe her führte eine Holztreppe zur kleinen Empore. Hier stand ein Harmonium, das unter der Feuchtigkeit im Kircheninnern stark zu leiden hatte. Am Auftritt vor der Stiege zur Empore baumelten die Seile zum Ziehen der Glocken. Bis 1920 wechselten Hofgut, Schloss und Kapelle noch dreimal ihren Eigentümer, was sich wenig vorteilhaft auf den Zustand der Kapelle auswirkte. Am Katharinentag 1920 verstummten die Glocken in dem Türmchen für immer und das "Ewige Licht" wurde gelöscht. In feierlichem Umzuge wurde die neue Katharinenkirche bezogen und das alte kleine Altärchen aufgestellt. Die altehrwürdige Kapelle stand verwaist. Am 5. Juli 1930 sandte die "Altmärkische Verwertungs‑G.m.b.H." ein Schreiben folgenden Inhalts an die "Bürgermeisterei Wasserlos b/Alzenau (Ufr.)": "Am Mittwoch, den 9. Juli. d. Js. vorm. 9 Uhr, findet die letzte Auflassung vom Hofgut Wasserlos statt. Wir möchten Sie gefl. bitten, um 9 Uhr in der Gastwirtschaft des Herrn Max Trageser (= Gasthaus "Zur Brezel" in Alzenau) zu sein, um die Auflassung von der Kapelle entgegenzunehmen". Der ungünstige Standort am nahen Schlossweiher und der feuchte Untergrund trugen dazu bei, dass das in Gemeindeeigentum übergegangene Bauwerk immer mehr verrottete. Versuche einer Sanierung scheiterten an fehlenden Finanzmitteln. Eine Luftmine des Zweiten Weltkrieges beschädigte den Bau am 20. Dezember 1943 schwer. Die unter Denkmalschutz stehende Ruine wurde 1956 abgebrochen. "Mauern der alten Kapelle abbrechen, Steine und Schuttmaterial auf LKW laden, zum Viehweg transportieren und abladen" lautete der Kostenanschlag. Von dem geschichtsträchtigen, schmucken sakralen Bauwerk blieben 210 Kubikmeter Schutt, der (einschließlich Abbruch) mit 9,60 DM pro Kubikmeter zu Buche schlug.
 
Ein Bildstock in der Schlossbergstraße (sie hieß bis zur Fusion von Wasserlos mit Alzenau und der Bereinigung doppelter Straßennamen "Kapellenweg") ist heute die einzige im Ortsbild sichtbare Erinnerung an die Schlosskapelle.

  • Teil 4: Erst zwei Hofgüter, dann ein Schloss

Schon mehrfach war die Rede vom Schloss Wasserlos. Der an Weihnachten 1968 verstorbene Hauptlehrer an der Volksschule, Hermann Reinhardt, selbst gebürtiger Wasserloser, schilderte aus eigenem Erleben die Bedeutung des kombinierten Hof_ und späteren Schlossgutes: "Wenn ein älterer, eingesessener Wasserloser am heutigen Kreiskrankenhaus vorübergeht, so erinnert er sich mit leisem Bedauern der Zeiten, da hier ein ganz anderes Leben sich abspielte. Hier herrschte das geschäftige Treiben eines großen Gutshofes und das interessante Leben eines herrschaftlichen Schlosses. Die Ortsbürger von Wasserlos nahmen regen Anteil an diesem Schlossgeschehen. Sie erzählten 'von unserem Schloss' und 'unserer Herrschaft'. Der ortsfremde Besucher wurde mit Stolz über 'unseren Hof' geführt und der weitere Weg führte bestimmt an 'unserem Schlosspark' vorüber."
Schlossherrschaften sind in Wasserlos schon im Mittelalter nachweisbar. Im Mai 1276 wird ein Ritter Sybold von Wasserlos, der seine Stammburg im Ort hatte und unter anderem Vizedom (oberster Vertreter des Erzbischofs von Mainz) in Aschaffenburg war, erwähnt. Im 14. und 15. Jahrhundert saß das Geschlecht von Schelriß in Wasserlos. Ihre Burg wurde 1405 auf Geheiß König Ruprechts als Räubersitz zerstört. Die Burg soll auf einer Anhöhe gestanden haben; neuere Forschungsergebnisse des Heimat_ und Geschichtsvereins Alzenau vermuten die Anlage in der Nähe des heutigen Schlosses.
Prinz Ludwig als Schlossherr
Der Sohn des Herzogs Ludwig von Württemberg, Prinz Eugen, ließ um 1790 das Schloss auf seinem jetzigen Standort erbauen. Unter den Nachfolgern erfuhr die Anlage noch manche Veränderung, im wesentlichen behielt der Bau jene Form, wie sie ihm der Württembergische Prinz geben ließ. Der letzte private Schlossbesitzer, Wilhelm Weigang aus Hanau, ließ Ende des Ersten Weltkrieges das Schloss abreißen und neu aufbauen. Dabei wurden insbesondere sanitäre Einrichtungen und Heizungsanlagen geschaffen.
In dem Kunstdenkmälerverzeichnis des Königreichs Bayern aus dem Jahre 1916 ist der alte Bestand des herrschaftlichen Anwesens stichwortartig beschrieben: Das Schloss ist eine spätklassizistische dreigeschossige Anlage aus zwei, im rechten Winkel zusammengestoßenen, nach Süden bzw. Osten gerichteten Flügeln. Das Obergeschoss ist vermittels einer Traufkante etwas zurückgesetzt. Die Flügel haben drei Achsen in der Breite und 6 bzw. 9 Achsen in der Länge. Portale an der Mittelachse des Südflügels auf der Nord_ und Südseite; Nordportal mit Profilgewände und halbrunden Giebelstücken, im Feld modernes Wappen der Mumm von Schwarzenstein
Innen schließen sich die Zimmer an und Korridore, welche auf der Nordseite durchlaufen. Einzelne Säle besitzen einfache Decken mit Stuckleisten aus dem späten 18. Jahrhundert. In einem Saal im Erdgeschoss spätklassizistische Stuckdekoration mit Gebälk, Putten u.a. um 1820. An den Erdgeschossfenstern gefällige Schmiedeeisengitter um 1800. Nördlich vom Schloss Verwaltungsgebäude des ehem. zweiten Gutshofes. Westlich und südlich reiche Garten_ und Parkanlagen
Drehen wir die Zeit gut hundert Jahre zurück. Dem Prinzen Eugen folgten mehrere adelige Schlossbesitzer. Zu nennen ist Marquis de Chasteler, der um 1820 das Wasserloser Rittergut von Hohenock erwarb und es mit seinen Gütern vereinigte, Unter dessen Regie wurden die Gartenanlagen und Wirtschaftsgebäude verbessert, auch der Pavillon (ursprünglich Teehaus) unweit des Schlosses entstand.
Freifrau des Bordes Stiftung für den Kirchenneubau
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich auf Schloss Wasserlos ein blühendes herrschaftliches Leben entwickelt. Sogar Bayern_König Ludwig I. gab den Schlossherrschaften die Ehre, ihn empfangen zu dürfen.
Als größte Wohltäterinnen sowohl für die Katharinenkapelle als auch für die Armen des Ortes gelten Ludovica Freifrau Rozier des Bordes, geborene Brentano, und ihre Adoptivtochter Meline, Gemahlin des Grafen Moritz zu Bentheim_Tecklenburg_Rhoda, der spätere Erbauer der Blindenanstalt zu Würzburg. Die Familie lebte etliche Jahre auf Schloss Wasserlos. Zu den berühmten Gästen Gehörte auch Ludovicas Bruder Clemens, der bekannte deutsche Dichter. Weit mehr als 20 Jahre bis 1868 stand das Schlossgut im Eigentum der Freifrau des Bordes bzw. deren Adoptivtochter, diese ließ übrigens 1866 während des Deutschen Krieges hierin ein Lazarett einrichten.
Freifrau des Bordes legte durch eine Stiftung, die ihren Namen trug und mit dem beträchtlichen Kapital von 2000 Gulden ausgestattet war, den Grundstock für den Bau der neuen Wasserloser Kirche. Die Zinsen wurden dem Stiftungsvermögen zugeschlagen, was von 1854 bis 1913 eine beträchtliche Summe ergab, die dem Kirchenneubau zufloss. Eine weitere Stiftung für die Armen der Gemeinde in gleicher Höhe wurde durch die Inflation 1923 entscheidend geschmälert und musste (da nicht mehr leistungsfähig) in den dreißiger Jahren aufgelöst werden.
Vom 31. Oktober 1842 datiert eine Beschreibung des Gutes Wasserlos (der Autor ist unbekannt). Hierin heißt es unter anderem: "Luft und Wasser sind sehr gesund, die Sterblichkeit in der ganzen Gegend auffallend gering. Die ganze Lage in physischer Beziehung höchst angenehm und reizvoll, wie in weiter Runde wohl nicht eine. Der Wohlstand der Ortsnachbarn (der Ort Wasserlos begrenzt den Hof an der Nordseite) ist verteilt; die Gemeinde als solche, selbst vermögend, daher im Stande, alle Communalbedürfnisse aus ihren Gemeindemitteln ohne besondere Gemeindeumlagen zu bestreiten; Bettler sind nicht im Orte. Die Gemütsart der Menschen ist bieder, tätig, freundlich und erkenntlich. Gelegen im Königreich Bayern an der Grenze von beiden Hessen, zwischen Aschaffenburg und Hanau, in nur 3/4 ständiger Entfernung vom nun mit Dampfschiffen befahrenen Mainstrome und der Post; durch gute Vizinal_ und Landstraßen mit den wichtigen Handelsplätzen Frankfurt, Mainz, Hanau, Offenbach, Darmstadt, Aschaffenburg, Gelnhausen ... so nahe verbunden, dass man in ganz kurzer Zeit nach der näheren, ja in wenigen Stunden durch die Taunuseisenbahn selbst nach den entferntesten Gegenden bequem gelangen kann. In Mitte eines anerkannt trefflichen Weinbaues, reichen Getreidelandes und dichten Buchen_ wie Kieferwaldungen, und auch ebenso ergiebigen Torflagern, bietet Wasserlos für jeden industriellen und kommerziellen Geschäftsbetrieb alle nur möglichen Vorteile dar".

  • Teil 5: Schloss wird Krankenhaus

Im Jahre 1901 erwarb das Schlossgut Wasserlos Baron von Mumm, ein fortschrittlicher Landwirt. Mit seinem tüchtigen Inspektor Otto Markus baute er das Schlossgut zu einem mustergültigen landwirtschaftlichen Betrieb aus. Mustergültig waren vor allem die Pferde_ und Rinderzucht. Obst_ und Weinbau erfuhren unter einem eigenen Verwalter besondere Förderung, und in der Brennerei verarbeitete man die großen Zwetschgen_ und Kartoffelernten zu Branntwein. "Schloss Wasserlos" war für Wein und Branntwein eine Markenbezeichnung von gutem Ruf.
Der frühe Tod des Schlossbesitzers (1914) und dessen Ehefrau (1916) verhinderte ein weiteres Eigentum der Familie Mumm.
Wilhelm Weigang kaufte das Schlossgut im Herbst des Jahres 1916. 1929 wurde das landwirtschaftliche Gut zertrümmert. Schloss und Park blieben im Besitz der Ehefrau Anna Weigang. Sie verkaufte das Schloss am 10. November 1942 der Reichsjugendverwaltung der NSDAP
Deshalb beschlagnahmte es die Militärregierung am Kriegsende. Dann ging es in den Besitz des Landesamtes für Vermögensverwaltung über.
Mit Genehmigung der Militärregierung wurde das Schloss dem Landkreis A1zenau im Jahre 1945 zur Einrichtung eines Krankenhauses überlassen. 1951 wurde der Landkreis Alzenau Eigentümer des gesamten Areals, damit hier ein Krankenhaus für den Kahlgrund entstehen konnte. Das Gesamtobjekt umfasste mit Gebäuden eine Fläche von 5,7130 Hektar, davon 3,2778 Hektar Englischer Garten.
Der Kreis Aschaffenburg errichtete in den letzten Jahren eine Neubau und modernisierte die alte Gebäudesubstanz mit Gesamtkosten von 70 Millionen DM

  • Teil 6: Pavillon im Kirschgarten

Auf den Bau des als Pavillon bezeichneten Teehauses bzw. Belvederes im Kirschengarten wurde bereits eingegangen
Anfang des Jahrhunderts wurden in dem Pavillon (nachdem vorher die Gesindestube des Schlosses dazu gedient hatte) die ersten evangelischen Gottesdienste des vorderen Kahlgrundes gefeiert.
Mit der Auflösung des Schlossgutes ging der Bau samt dem ihn umgebenden Kirschengarten (früher auch als Rosengarten bezeichnet) an die Gemeinde Wasserlos über. Die Gemeinde Wasserlos gestaltete die einstige herrschaftliche Teestube zu einem Ehrenmal für die in den beiden Weltkriegen gefallenen Ortsbürger um. In diesem Zusammenhang fand nicht nur die Plastik eines toten Soldaten im Innern einen Platz, sondern auch die Fenster erhielten eine künstlerische Buntverglasung und das Portal wurde mit einem schmiedeeisernen Gitter versehen.
 

  • Teil 7: Weinbau
    Als Begründer des fränkischen Weinbaues gelten jene frommen Männer, die sich im Konvent nach den Regeln des heiligen Benedikt zusammengefunden hatten. Das ist an der nordwestlichen Grenze des heutigen Frankenweingebietes nicht anders. Die Mönche des im frühen 9. Jahrhundert gegründeten Benediktinerklosters Seligenstadt gelten als Ziehväter heimischen Rebenbaues
    Exakte schriftliche Zeugnisse haben sich jedoch erst aus späterer Zeit erhalten, so auch für Wasserlos: In einem zwischen August 1282 und Oktober 1283 angelegten Verzeichnis Gottfrieds III. von Eppstein wird festgehalten, daß die Brüder Werner und Johannes von Schelris in Wasserlos einen Lehenshof mit Weinbergen besitzen. Im Hauptstaatsarchiv München liegt eine Urkunde vom 13. April 1284, die den Weinbau zu Wasserlos in Verbindung mit Grundstücksgeschäften der Abtei Seligenstadt erwähnt
    Jedes Haus hatte seinen Wingert
    In früheren Jahrhunderten besaß jedes Wasserloser Anwesen seinen Wingert, wie man hierzulande die Weingärten bzw. _berge bezeichnet. So dünkt es nicht Wunder, daß sich 1578 gleich die "ganze Wasserloser Gemeinde" beim Landesherren, dem Kurfürsten von Mainz, über den Abt von Seligenstadt beschwerte. Der hatte nämlich nicht, wie es Herkommen sei, den Weinzehnt im Wingert oder an der Pforte in Form ungekelterter Trauben kassiert, sondern sich etwas Neues einfallen lassen. Nach dem Herbst, wenn der neue Jahrgang fertig im Fasse ruhte, schickte er seine Steuereinheber, die "in unsere keller gangen, die beste faß, wo inen der wein geschmeckt, angestochen und deraus den zehenden genommen". Als 1579 die Steuerherren wieder so verfahren wollten, erhielten die Wasserloser per kurfürstlichem Dekret Recht. Es ist davon auszugehen, dass der Weinzehnt anschließend (wie in den anderen Freigerichter Orten auch) bei der Lese an den Pforten, die die Einzäunung bzw. Hecke um das Dorf unterbrachen, eingehoben wurde. An diese Umzäunung erinnern in Wasserlos übrigens die Bezeichnung "Haag" (=Hecke) und dessen noch im Ortsplan von 1846 erkennbare Lage
     Im Jahr1828 wohnte in der vorderen Haushälfte, die zur Gretelgasse gewandt ist, die Hebamme Walter (nach ihrem Vornamen erhielt die Straße die Bezeichnung). Das hintere Wohnhaus war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits erneuert worden. Besitzer waren damals die Familien Saul und Eisel.
    Die "Beschreibung der Schatzung im Freyen Gericht furm Berg de Anno 1614" weist für Wasserlos rund 65 Hofreiten aus. Nur bei zwei dieser 65 Anwesen ist im Grundbesitz kein Weingarten ausgewiesen. Wenige Jahre vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges stand der Weinbau in großer Blüte.
    Die Weingärten waren hoch veranschlagt. Der Morgen Weingarten lag bei 120 Gulden. Die gleiche Fläche Wiesen war mit 52 Gulden bemessen; Kraulgärten (40 Gulden) und Äcker (16 Gulden) rangierten weit dahinter.
    Fast ausnahmslos stellte sich der Wert des Weinbergbesitzes je Wasserloser Anwesen höher dar, als der Ansatz für die jeweilige Hofreite. Größter Winzer war Peter Khin (= Kihn) mit 9 Morgen Weingarten. Kihn hatte gleichzeitig das Amt des klösterlichen Schultheißen inne. Es folgten mit Hans Eisel und Andreaß Seyppel zwei auch noch heute in Wasserlos beheimate Familiennamen.
    Der steuerbare Besitz der Wasserloser betrug im Jahre 1614 (ohne Eigentum Auswärtiger und des heimischen Adels) insgesamt 47.703 Gulden. Hieran hatte der Wert der "Hofraidten" (= Anwesen) einen Anteil von rund 12.400 Gulden. Die Weingärten erbrachten 21.000 Gulden. Die Ursache ist einerseits darin zu suchen, dass die Weingärten hoch eingeschätzt waren; andererseits aber ist nachgewiesen, dass die Häuser unserer Vorfahren nicht gerade von Reichtum kündeten. Niedrige, eingeschossige, lehmwendige Fachwerkhäuschen waren die Regel. Der Gesamtwert der Weingärten lässt den Rückschluss zu, dass Anfang des 17. Jahrhunderts die Wasserloser auf etwa 40 Hektar Fläche die Weinrebe pflegten. Hinzu kamen noch die Weinberge anderer Eigentümer
    1614 wird ein Wasserloser Wirtshaus erwähnt
    Die Hektarerträge sind nicht mit den Ernten heutiger Tage zu vergleichen. Dennoch konnten diese Weinmengen nicht alle im Eigenverzehr verbraucht werden. Händler aus den nahen Städten kauften die Produkte der Wasserloser Lagen auf, aber auch die Dörfer des Kinziggebietes, so ist überliefert, wussten die Weine aus Hörstein und Wasserlos zu schätzen. Andererseits besaßen die Gemeinden das Weinschankrecht. Auch für Wasserlos wird ein Wirtshaus bereits 1614 erwähnt.
    Dass seinerzeit auch schon ein Fremdenverkehr für die Ortschaften um die Städte gegeben war, zeigt die Anordnung der Stadt Hanau an die Torwächter: "Die Bürger, die sich in Dörfern voll Wein saufen und dann eingelassen wollen sein, das soll nit geschehen".
    Der Dreißigjährige Krieg verwüstete die Dörfer des Heimatgebietes und fügte den Weinbergen großen Schaden zu. Im Wasserloser Gerichtsbuch hat der Schreiber am 20. Dezember 1638 vermerkt, durch den schwedischen Einfall sei "allerhand unheil und ruin entstanden"; hinzu kämen Seuche und Hungersnot. Nur ein Schöffe des Gerichts war übrig geblieben. 5 Jahre lang fand keine Sitzung des üblicherweise in jährlichem Turnus tagenden Gerichts statt.
    1662 findet eine landesherrliche Schätzung des Vermögens der Untertanen in den Orten des Freigerichts, und daher auch in Wasserlos, statt.
    Von den in Wasserlos ansässigen 26 Steuerpflichtigen werden 13 als "Weingartsmann" und weitere 11 als "Weingarts_ und Ackermann" bezeichnet. Die sogenannten Uraufnahmen des Bayerischen Landesvermessungsamtes geben uns einen Aufschluss über die ausgedehnten Weingärten Mitte des 19. Jahrhunderts. Wasserlos zeigte sich als blühender Weinort. Das Dorf zählte 135 Hauseigentümer, 123 besaßen Weinberge. Gleichzeitig werden aber bereits Spuren einer künftigen Entwicklung deutlich. Brachliegende und ausgehackte Weinberge reißen Lücken in die einst wohl geschlossenen Rebenanlagen. Die Gemeinde hatte eine eigene Weinbergshütte (im Bereich des heutigen Baugebietes "Am Rosengarten"), und von den Bürgern gewählte Weinbergshüter wachten über die Reben der Nachbarn. Die Entwicklung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging schnell voran.
    1854 wies die Statistik noch 24 Hektar im Ertrag stehender Rehfläche aus, 1893 liefern nunmehr 4,8 Hektar Wasserloser Rebensaft. Die Bevölkerung hatte den Weinbau nahezu gänzlich aufgegeben. Klimatische Veränderungen, Geschmackswandel, politische Verhältnisse, Rebenschädlinge, sie sind vorwiegend Gründe, die für den nicht nur in Wasserlos, sondern allgemein in fränkischen Landen zu beobachtenden Rückgang der Weinbauflächen im l9.Jahrhundert sprechen; ja sogar die vermehrte Einfuhr des Bohnenkaffees wird als Erklärung für den Rückgang des Weinkonsums genannt.
    Um 1930 war der Weinbau in Wasserlos quasi nicht mehr existent. Bürgermeister Orth meldete am 23. September 1927 dem Bezirksamt Alzenau, dass auch der Schlossgutsbesitzer Wilhelm Weigang als letzter größerer Weinbautreibender seinen Weinberg "ausrotten" lasse.
    Für die Erhaltung, ja eigentlich für den Wiederbeginn des Wasserloser Weinbaues stehen zwei Namen: Noch während des Zweiten Weltkrieges begann der Bauunternehmer Richard Becker mit der Neuanlage von Weinstöcken auf dem ehemaligen Schlossweinberg. Wenige Jahre später
    folgte ihm die Familie Simon nach.
    Es dauerte fast hundert Jahre, bis die alte Größe erreicht war und sich Wasserlos wieder geziemend Weinort nennen durfte. Mehrere leistungsfähige Privatbetriebe setzen eine Tradition fort, die jahrhundertelang das wirtschaftliche Leben nahezu aller Einwohner bestimmte.
    Zwei beziehungsreiche Lagenamen bestimmen das Bocksbeutel_Etikett. Die Schlossberglage erinnert wohlklingend an das höfische Leben und an die Schlossherrschaften, die den Eigenbau vom nahen Berg zu schätzen wussten.
    Hinzu gesellt sich seit einigen Jahren, vom Weingut Englert initiiert, das Luhmännchen, eine Sagenfigur, die uns bis zu Grenzstreitigkeiten zwischen Wasserlos und Hörstein ins 17. Jahrhundert zurückführt. Ein Gemeindekrieg war die Folge, an der gegenseitigen Meineid-Beschuldigung entstand die Sage vom auf ewig verdammten Unwesen.

:: Walter Scharwies ::

  • Quellen:

  • Beiträge von Karl Amberg, Hermann Reinhardt und Edmund Rücker in den Heimatjahrbüchern "Unser Kahlgrund"

  • Stadtarchiv

  •  "Alte Photographien erzählen aus Alzenau"

  • mündliche Auskünfte von Karl Braun.

© Wasserlos-Online.de | Haftungsauschluss | Impressum | Kontakt
Die anderweitige Verwendung des Materials ohne Einwilligung des Urhebers ist untersagt.